Der kurze Pressefrühling in der DDR

Das Forum, NDR Info, 24.02.2020 (20 Min.)

Nach dem Mauerfall gründeten sich in der DDR mehr als 100 neue Zeitungen. Doch der ostdeutsche ‚Pressefrühling‘ endete schnell, als westdeutsche Verlage den Markt entdeckten.

Die vier großen Westverlage – Burda, Springer, Bauer, Gruner und Jahr – drängten auf den ostdeutschen Markt. Rechtzeitig vor den Volkskammerwahlen im März 1990 bauten sie ein exklusives Verlagsvertriebssystem im Osten auf: mit viel Westwerbung und zu Dumpingpreisen, die nicht einmal die Produktionskosten deckten. Dagegen hatten die neu gegründeten Ost-Zeitungen keine Chance. Die DAZ, die Andere Zeitung aus Leipzig, existierte zum Beispiel nur etwa ein Jahr.

Der kurze Pressefrühling in der DDR spiegelt die politischen und gesellschaftlichen Umwälzungen der turbulenten Wendezeit im Brennglas wider. Zeitzeugen – aus Ost- und Westdeutschland – blicken zurück auf den demokratischen Medienaufbruch, der durch die marktwirtschaftlichen Gesetze jäh beendet wurde.